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Clostridium
tetani
Taxonomie,
Morphologie
und
Kultur C.tetani
gehört zur Gattung Clostridium und ist ein anaerober beweglicher
grampositiver
Sporenbildner. Die umweltresistenten Sporen sind endständig
(Trommelschlegel). Der
Erreger wächst auf den üblichen anaeroben Medien in Form
eines Rasens, wobei
die Kultur nicht immer erfolgreich gelingt. Epidemiologie C.
tenani ist weltweit verbreitet; die Bakterien kommen
gewöhnlich im Erdboden vor, sind jedoch in geringer Zahl auch
Besiedler des tierischen
Darms (bes. Pferde). Eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist
nicht möglich. In
Ländern der Dritten Welt fallen dem Tetanus etwa eine Million
Menschen jährlich
zum Opfer (fehlendes Geld für eine Prophylaxe!). Die Inzidenzraten
in Afrika
und Asien liegen bei 10-50 Erkrankungen/100.000 Einwohner. Wegen
einer fehlenden Meldepflicht liegen keine exakten Zahlen über
Erkrankungen in Deutschland vor. Pathogenese,
Krankheitsbild Der
Eintritt der Erreger erfolgt meist über eine tiefe Verletzung
der Haut oder im Zusammenhang mit einer intramuskulären Injektion,
sie bilden
Exotoxine (Tetanospasmin, Tetanolysin)
unter
anaeroben Bedingungen; Toxin-negative Stämme kommen vor. Die
Wunden müssen
nicht offen sein, es genügen auch kaum sichtbare
Bagatellverletzungen.1
Die Inkubationszeit beträgt sieben bis zehn Tage (Bereich 1-60
Tage)! Die
Erreger produzieren Tetanospasmin, das durch retrograden axonalen
Transport mit
einer Geschwindigkeit von etwa 5mm/h ins ZNS gelangt. Das zweite Toxin,
Tetanolysin hat eine hämolytische und auch kardiotoxische Wirkung.
Folgen sind
ein erhöhter Muskeltonus, Krämpfe der Gesichtsmuskulatur
(Risus sardonicus) mit
Kieferklemme (Trismus), Dysphagie,
Laryngospasmus; in der Folge kommt es zu Dauerkrämpfen der
übrigen Muskulatur
durch präsynaptische Hemmung der
inhibitorischen Synapsen. Es entwickelt sich eine spastische Paralyse
mit Opisthotonus.
Das Bewusstsein der Patienten ist ungetrübt, sie sind meist
afebril.
Respiratorische Komplikationen, wie z.B. Sekretstau, Verlegung der
Atemwege,
Pneumonien und Atelektasen führen zur Ateminsuffizienz. Bei
intensivmedizinischer Therapie liegt die Letalität zwischen 10 und
20% bis hin
zu über 50%. Unter folgenden Bedingungen ist die Letalität
erhöht:
Inkubationszeit <8d, generalisiertes Auftreten, Fieber >39°C,
Tachykardie
>120/min, Alter >60 Jahre.1 Ein
lokal begrenzter Tetanus ist selten und beschränkt sich
auf die Muskeln in der Umgebung der Eintrittspforte. Die Prognose ist
bei
dieser Form der Erkrankung relativ gut, allerdings nur, wenn der Kopf
nicht betroffen
ist (Letalität 15-30%).2 In Entwicklungsländern,
aber auch
beispielsweise in der Türkei,3 stellt der neonatale
Tetanus eine
besondere Erkrankungsform dar; die Infektion erfolgt über die
Nabelwunde. Sie
tritt in den ersten zwei Lebenswochen als generalisierte Form mit
Rigidität,
Trinkschwäche und Krämpfen auf; die Letalität liegt ohne
Beatmung bei 90%, mit
Beatmung ca. 10%. Einteilung des Schweregrades I-IV nach der
Ablett-Klassifikation.4 Diagnostik Führend
ist
die
klinische Diagnose; eine Erkrankung ist
unwahrscheinlich, wenn eine vollständige Grundimmunisierung
vorliegt und die
Auffrischimpfungen durchgeführt wurden. Bei klinischem Verdacht
auf Tetanus ist
das Labor unbedingt telefonisch zu verständigen. Der Toxinnachweis
im
Neutralisationstest unter Verwendung von Wundmaterial oder Serum des
Patienten
ist im Referenzlabor (Prof. Rodloff, Leipzig) möglich. Prävention,
Therapie,
Meldepflicht Zur
Prävention einer Erkrankung ist die aktive bzw. die
aktiv/passive Immunisierung nach den Empfehlungen der STIKO (www.rki.de) die Methode der Wahl
(TETANOL PUR bzw.
TETAGAM P u.a.). Ein Nachweis von Antikörpern zur
Überprüfung des Impfstatus sollte
insbesondere vor Reisen in tropische Länder erfolgen, ferner bei
ausgeprägten
Impfreaktionen nach Toxoidverabreichung, bei mehrmaligen Vorimpfungen
zu nicht
mehr bekannten Zeitpunkten, bei immungeschwächten Patienten sowie
bei älteren
Menschen besonders mit Veränderungen der Weichgewebe
beispielsweise in Form
eines Ulcus cruris. Bei Verdacht auf Tetanus ist eine frühzeitige
Gabe von
Tetanus-Immunglobulin (bis zu 6000 IE i.m.; TETAGAM P u.a.)
entscheidend,
gleichzeitig muss mit einer aktiven Immunisierung begonnen werden sowie
mit der
Gabe von Antibiotika. Besser als Penicillin G
(PENICILLIN-GRÜNENTHAL u.a.) soll
Metronidazol (METRONIDAZOL FRESENIUS u.a.) wegen der langsameren
Progredienz
der Symptome sein; die Therapiedauer sollte sieben bis zehn Tage
betragen. Resistenzen
gegen beide Substanzen sind nicht bekannt.5 Wichtig sind
eine
chirurgische Sanierung des Infektionsherdes sowie eine Intensivtherapie
in
einem ruhigen abgedunkelten Raum. Eine Meldepflicht ist im
Infektionsschutzgesetz nicht vorgesehen. Clin
Microbiol Infect 2004; 10: 229 - 233 Am
J Emerg Med 1988; 6: 128 - 130 Public
Health 2001; 115: 359 - 364 4.
ABLETT, J.J. Br
J Anaesth 1956; 28: 258 - 273 |