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Clostridium
perfringens
Taxonomie,
Morphologie
und
Kultur C.perfringens
gehört zur Gattung anaerober unbeweglicher grampositiver
Sporenbildner,
wobei sich diese Spezies zumindest in Primärkulturen als relativ
aerotolerant
erweist. Es können 5 Typen (A-E) in Abhängigkeit von der
Toxinproduktion
unterschieden werden; humanpathogen sind die Typen A und C. Epidemiologie C.
perfringens ist weltweit verbreitet und kommt gewöhnlich
im Erdboden vor, ist jedoch in geringer Zahl auch Besiedler des
tierischen und menschlichen
Darms. Bei intestinalen Infektionen (Enteritis) mit
enterotoxinbildenden
Stämmen erfolgt die Übertragung durch Lebensmittel
(häufig Fleisch, Geflügel,
Saucen); ein Nachweis dieser Stämme gelingt auch bei
antibiotikaassoziierter
Diarrhö.1 Wegen einer fehlenden Meldepflicht liegen
keine exakten
Zahlen über Erkrankungen in Deutschland vor. Pathogenese,
Krankheitsbild Ein Eintritt der Erreger ist möglich über eine Verletzung der Haut oder endogen über die Mukosa des Darmtraktes, die Vermehrung erfolgt rasch mit Bildung unterschiedlicher Toxine. Wesentlich ist bei der Myonekrose das a-Toxin (=Phospholipase C), bei der nekrotischen Enteritis das ß-Toxin. Bei Lebensmittelvergiftungen wird ein hitzelabiles Enterotoxin während der Versporung im Dünndarm gebildet.
Die
Interpretation des Nachweises von C. perfringens muss
immer zusammen mit dem klinischen Bild
erfolgen, so kann der Erreger beispielsweise relativ häufig bei
Cholezystitis
isoliert werden, ohne dass ein Gasbrand vorliegt. Der typische Gasbrand
ist insgesamt
selten und zeichnet sich durch eine Myonekrose (bei fehlendem Nachweis
von
inflammatorischen Zellen!) sowie Gasbildung aus, die Letalität ist
mit bis zu
80% hoch!2 Wegweisend sind die im
Röntgenbild sichtbaren
Auflockerungen der Muskulatur durch Gasbildung sowie ein Knistern bei
Druck auf
das Gewebe. Allerdings müssen differentialdiagnostisch auch andere
Erreger in
Betracht (z.B. Escherichia coli)
gezogen werden. Am Infektionsort entwickelt sich ein sehr starker
Schmerz, es
entsteht eine rasch zunehmende pralle Schwellung, die Haut wirkt
gespannt und
dünn, hämorrhagische Bullae können auftreten. Typisch
sind auch Tachykardie,
fehlendes Fieber sowie fehlende Bewusstseinsstörung. Der Verlauf
kann fulminant
sein und innerhalb weniger Stunden zum Tode führen (DD: z.B.
Streptokokken-Toxic-Syndrom, Neisseria
meningitidis, Streptococcus
pneumoniae). Die Letalität bei Nachweis von C.perfringens
in der Blutkultur beträgt etwa 30%,3 Risikofaktoren
sind
höheres
Alter, Hämodialyse, maligne Grunderkrankungen
sowie Morbus Crohn. C.perfringens
kam auch in aerob-anaeroben Mischinfektionen, wie z.B. Fasciitis
necroticans
Typ 1 oder bei der Fournier Gangrän nachgewiesen werden. Der
Darmbrand
(Enteritis necroticans) entsteht bei Menschen im pazifischen Raum meist
durch C.perfringens Typ C; häufig nach einer
langen Hungerperiode und oder bei Mangel an digestiven Proteasen im
Dünndarm
(z.B. nach proteinarmer, kohlenhydratreicher Diät) und der Zufuhr
hitzestabiler
Trypsininhibitoren (aus Süßkartoffeln, Bohnen,
Erdnüssen; auch bei Befall mit Ascaris lumbricoides).4 In Europa und
Nordamerika wird
bei diesem Krankheitsbild aber auch der Typ A ätiologisch gefunden.5,6
Es
werden unterschiedliche Verläufe beschrieben: perakuter Verlauf
mit Tod
innerhalb von Stunden bis wenigen Tagen, toxisches Herz-
Kreislaufversagen,
besonders bei Säuglingen und Kleinkindern aber auch bei
Erwachsenen mit
malignen Grunderkrankungen; ein akuter Verlauf ist gekennzeichnet durch
die
Trias unerträgliche, plötzlich auftretende Leibschmerzen
(Betonung links vom
Nabel), Diarrhö und strikte Nahrungsverweigerung. Weitere typische
Symptome
sind schwerstes Krankheitsgefühl, Temperaturen um 38°C, starke
lokale
Hyperalgesie der Haut bei ausgeprägtem lokalem Druckschmerz,
Fehlen einer
groben Abwehrspannung, blutige Diarrhöen, Petechien der bleichen
Haut bei
normalen Thrombozytenzahlen, geringe Leukozytose mit deutlicher
Linksverschiebung und toxischer Granulation. Bei der leichten
Verlaufsform besteht
nur eine unspezifische Gastroenteritis (Zufallsbefund bei Sektion). Die
Nahrungsmittelvergiftung durch C.perfringens Typ A durch
Enterotoxinproduktion
verläuft mit Übelkeit (65%), abdominalen Krämpfen (85%),
Erbrechen (23%) und
Diarrhö (97%); die Erkrankung ist selbstlimitierend mit einer
Dauer von ca. 24h.7 Diagnostik Bei
klinischem Verdacht auf Gasbrand ist das Labor unbedingt
telefonisch zu verständigen. Die folgenden Maßnahmen sind
erforderlich: Untersuchung
von Abstrichen, Biopsien, Gewebe, Blut und anderen klinischen
Materialien, evtl.
Toxinnachweis mittels ELISA im Stuhl. Diagnostisch führend kann
ein Gram-Präparat
mit Nachweis von grampositiven oder gramlabilen Stäbchenbakterien
sein. Prävention,
Therapie,
Meldepflicht Ein
sachgerechter Umgang mit Lebensmitteln ist die
wichtigste Maßnahme zur Prävention der Enteritis.
Häufige Mängel finden sich
bei der Kühlung bis zur Verarbeitung, der Aufbewahrung bis zum
Verzehr sowie
der Küchenhygiene. Wesentlich ist sowohl bei exogener als auch bei
endogener
Infektion (Gasbrand) der frühzeitige Therapiebeginn mit
großzügigem
chirurgischen Debridement, sowie die Behandlung mit 3-4x5 Mega/d
Penicillin G
(PENICILLIN-GRÜNENTHAL u.a.), evtl. Kombination mit 3-4 x 600 mg/d
Clindamycin
(SOBELIN u.a.) zur Suppression der Bildung von alpha-Toxin,8
wenn
möglich, sollte zusätzlich die Anwendung von hyperbarem
Sauerstoff erfolgen
(HBO). Bei unklarem Befund, wie Abgrenzung zur Fasciitis necroticans
Typ 1,
kann eine Kombination aus 2x400mg/d Ciprofloxacin (CIPROBAY u.a.) i.v.
plus
4x600mg/d Clindamycin plus 4x5 Mega/d Penicillin G versucht werden. Die
Therapie der Enteritis ist symptomatisch mit Ausgleich
des Wasser- und Elektrolytdefizits. Bei Enteritis necroticans ist eine
Infusionstherapie notwendig, sowie Nahrungskarenz, Drainage des
Mageninhalts
über eine nasogastrale Sonde, Gabe von Penicillin sowie
Bluttransfusionen. J
Clin Microbiol 2001; 883-888 Eur
J Clin Microbiol Infect Dis 2002; 21: 258 - 261 Ann
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