Perikarditis
(aus ZCT 5-2003, aktualisiert)
Kasuistik:
Ein 27 Jahre alter Patient erscheint in der ambulanten
Praxis und berichtet über seit drei Wochen zunehmenden Leistungsabfall,
Nachtschweiße, Herzklopfen, Schlafstörungen und Belastungsluftnot.
Darüber hinaus sei ihm in den letzten Tagen eine hohe Pulsfrequenz
aufgefallen. Vor etwa drei Wochen sei ein heftiger Atemwegsinfekt abgelaufen,
der mit trockenem Reizhusten und retrosternalen Brustschmerzen einhergegangen
sei.
Diagnostik:
Bei der körperlichen Untersuchung fällt eine
Tachykardie um 110 Herzschläge pro Minute mit wenig ausgeprägter
Arrhythmie und einzelnen Extrasystolen auf. Darüber hinaus lässt
sich ein dritter Herzton nachweisen mit einem leisen, holosystolischen
Geräusch über der Herzspitze. Die Körpertemperatur wird
mit 37,8°C gemessen, der Blutdruck liegt bei 110/70mmHg, Leber und
Milz sind nicht vergrößert palpabel, der physikalische Lungenbefund
ist ebenfalls unauffällig. Im EKG werden eine deutliche Sinusarrhythmie
und vermehrte supraventrikuläre Extrasystolen sowie auch angedeutete
ST-Hebungen, insbesondere in den linksventrikulären Ableitungen, registriert.
Routine-Blutuntersuchungen zeigen eine mäßige BSG-Erhöhung
auf 20mm n.W. in der ersten Stunde, eine geringe Leukozytose mit 12.000/µl,
verbunden mit einem unauffälligen Differentialblutbild, die CRP ist
mit 7mg/dl geringfügig erhöht. Herzspezifische Enzyme sind im
Normalbereich. In der nachfolgenden echokardiographischen Untersuchung
des kardiologischen Facharztes wird ein deutlicher Perikarderguß
vor etwa 200 ml nachgewiesen mit geringer Dilatation des linken Ventrikels
und geringgradiger relativer Mitralinsuffizienz. Wesentliche Wandbewegungsstörungen
werden nicht registriert.
Pathogenese:
Bei der sogenannten idiopathischen Perikarditis sind
Enteroviren wie Coxsackie- und Echoviren die überwiegenden Erreger.
Allerdings können bei schweren Verläufen auch bakterielle Erreger
wie Pneumokokken, Staphylococcus aureus oder Streptococcus pyogenes beteiligt
sein, sie wurden in etwa der Hälfte der bakteriellen Perikarditiden
nachgewiesen. Andere Erreger wie E. coli, Proteus Spezies, Pseudomonas
aeruginosa, Salmonellen und Shigellen, Neisseria meningitidis, Chlamydien,
Mykoplasmen und Borrelia burgdorferi können ebenfalls in seltenen
Fällen als Erreger gesichert werden. Bei Patienten mit florider Tuberkulose
muss eine spezifische Perikarditis bedacht werden, die auch bei immungestörten
Patienten (z.B. AIDS) differentialdiagnostisch zu berücksichtigen
ist.
Therapie:
Bei dem eher wenig ausgeprägten perikarditischen
Krankheitsbild mit offensichtlich viraler Ätiologie (diese sollte
serologisch gesichert werden), existiert keine kausale Therapie. Eine Punktion
des Perikardergusses erscheint aus diagnostischen und hämodynamischen
Gründen im ambulanten Bereich nicht indiziert. Es sollte Bettruhe
verordnet werden sowie Vermeidung von Anstrengungen in den nächsten
vier Wochen. Kortikosteroide haben in kontrollierten Studien keinen therapeutischen
Nutzen gezeigt; ACE-(Angiotensin-Converting-Enzyme) -Inhibitoren und Kalziumkanalblocker
waren im Experiment bei Myokarditis effektiv, überzeugende klinische
Daten für diese Substanzen gibt es nicht. Die Prognose der viralen
Perikarditis ist recht günstig, problematische Symptome hinsichtlich
der Prognose sind persistierende Arrhythmien, Kardiomegalie und Entwicklung
einer Herzinsuffizienz.