|
(aus: ZCT Heft 4, 2001) Kasuistik: Ein 68 Jahre alter Patient kommt in die Praxis und klagt über linksseitige Flankenschmerzen, die in den unteren Bauchraum ausstrahlen, sowie seit zwei Tagen bestehendes Fieber mit Schüttelfrost, erheblichem Nachtschweiß, Kopfschmerzen, Übelkeit und ausgeprägtem Krankheitsgefühl. Anamnestisch ist bei diesem Patienten eine Prostata-Hyperplasie bekannt, die schon wiederholt zu Restharnanstiegen geführt hat. Die körperliche Untersuchung bestätigt die erhöhte Körpertemperatur mit 38,8° C, das linksseitige Nierenlager ist hochgradig klopf- und druckempfindlich, die Herzfrequenz liegt bei 105/min und der Blutdruck bei 110/60 mmHg. Als Ergebnis der sofort durchgeführten Urinuntersuchung finden sich eine hohe Zahl von Granulozyten sowie auch eine deutliche Eiweißausscheidung. Diagnose: Die Anamnese mit der Neigung zu Restharnbildung und die typischen Symptome mit Fieber und Flankenschmerz sowie der körperliche Untersuchungsbefund deuten auf eine akute Pyelonephritis hin. Die neben dem Urinstatus vorgenommene bakteriologische Untersuchung des Urins ergibt eine signifikante Keimzahl von über 105 E. coli/ml im Urin. Die zusätzliche urologische Ultraschalluntersuchung zeigt eine geringe Restharnbildung. Pathogenese: Akute Pyelonephritiden werden zumeist durch anatomische oder funktionelle Störungen in den ableitenden Harnwegen verursacht. In über 90% werden als Erreger E. coli, Proteus mirabilis, Klebsiellen, gelegentlich als Mischinfektionen mit Enterokokken, nachgewiesen. Eine intensive urologische Diagnostik mit Ultraschall oder Computertomographie ist notwendig, um möglicherweise die Indikation zur operativen Beseitigung der Prostata-Hyperplasie zu stellen. Therapie: Die antibiotische Therapie sollte sich nach dem mikrobiologischen Resistenzmuster orientieren. Als Substanzen kommen Oral-Cephalosporine, Aminobenzylpenicilline mit Betalaktamaseinhibitoren und auch Fluorchinolone der Gruppe II, wie z. B. Ofloxacin (TARIVID u.a.) oder Ciprofloxacin (CIPROBAY u.a.) in Betracht. Die Dauer der Therapie sollte mindestens zehn bis vierzehn Tage betragen, eine Überwachung des Patienten in kurzfristigen Abständen ist notwendig. |