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Interaktionen zwischen Rifampicin und anderen Arzneimitteln
(letzte Aktualisierung 09. Februar 2009)


Rifampicin (RIFA u. a.) ist im Rahmen der Tuberkulosetherapie und bei anderen Indikationen ein wichtiges und unverzichtbares Antibiotikum. Beim therapeutischen Einsatz der Substanz muss jedoch das ausgeprägte Interaktionspotenzial berücksichtigt werden. Die bedeutsamsten Interaktionen kommen durch die Induktion von Cytochrom P 450-abhängigen Monooxygenasen zustande. Dadurch kann der Abbau zahlreicher anderer Medikamente beschleunigt sein. Die Zahl der dokumentierten Arzneistoffe, deren Pharmakokinetik bei gleichzeitiger Gabe von Rifampicin verändert wird, liegt über 100 – die angeführte Tabelle kann also nur einen kleinen Ausschnitt der möglichen Interaktionen wiedergeben. Zahlreiche Übersichtsarbeiten sind zu dieser Thematik veröffentlicht worden. 1,2,3,4
Nicht selten sind diese Interaktionen so stark ausgeprägt, dass sie als klinisch relevant anzusehen sind. Zyklusstörungen, wie Zwischenblutungen und Amenorrhoe, wurden z. B. bei gleichzeitiger Gabe von   Rifampicin und oralen Kontrazeptiva beschrieben. Eine sichere Empfängnisverhütung mit oralen Kontrazeptiva ist nicht mehr gewährleistet; mit ungewollter Schwangerschaft muss gerechnet werden. Auch ein Versagen der Glukokortikoidtherapie bei Lupus erythematodes wurde beschrieben. Bei nierentransplantierten Patienten ist eine Abstoßungsreaktion möglich.
Der Bedarf an oralen Antidiabetika kann unter Rifampicin gesteigert sein. Nach Beendigung der Therapie sollten zur Vermeidung einer Hypoglykämie Blutzuckerkontrollen durchgeführt werden. Bei gleichzeitiger Gabe von Cumarinderivaten ist deren Wirkung durch verstärkten Abbau abgeschwächt und macht eine Erhöhung der Dosis erforderlich. Grundsätzlich sollte bei Kombination der genannten Pharmaka mit Rifampicin an deren beschleunigten Abbau und an die Notwendigkeit einer Dosiserhöhung gedacht werden.

1. BORCHERDING SM, BACIEWICZ AM et al. Update on rifampin drug interactions. II.
    Arch Intern Med. 1992 Apr;152(4):711-6.

2. VENKATESAN K. Pharmacokinetic drug interactions with rifampicin.
    Clin Pharmacokinet. 1992 Jan;22(1):47-65.

3. STRAYHORN VA, BACIEWICZ AM et al.bUpdate on rifampin drug interactions, III.
    Arch Intern Med. 1997 Nov 24;157(21):2453-8.

4. AMENT PW, BERTOLINO JG et al. Clinically significant drug interactions.
    Am Fam Physician. 2000 Mar 15;61(6):1745-54.

5. NIEMI M, BACKMAN JT et al. Pharmacokinetic interactions with rifampicin : clinical relevance.
    Clin Pharmacokinet. 2003;42(9):819-50.


Beitrag aus ZCT 1/2009: Rifampicin besonders problematisch

Rifampicin (A)* Andere Arzneimittel (B) Interaktion bzw. Wirkung Klin. Bedeutg.
  Antikoagulantien (oral) Spiegel von B (suboptimale Antikoagulation) ++
  ß-Blocker (Metoprolol; Propranolol u.a.) Wirkung von B +
  Ciclosporin A Wirkung von B ++
  Chinidin Wirkung von B +
  Clarithromycin Spiegel von B, Spiegel von A ++
  Cortocosteroide Spiegel von B (Dosiserhöhung notwendig!) ++
  Cotrimoxazol Spiegel von A +
  Delavirdin Spiegel von B, Spiegel von A (Kombination vermeiden!) ++

Disopyramid Spiegel von B  ++
  Fluconazol Spiegel von A +
  INH vermehrte Bildung toxischer INH Metaboliten ++
  Itraconazol Spiegel von B, Spiegel von A  
  Ketoconazol Spiegel von B, Spiegel von A  
  Kontrazeptiva (orale) Wirkung von B (Blutungen, Schwangerschaft!) +
  Methadon Spiegel von B (Entzugssymptomatik) +
  Nevirapin Spiegel von B (Kombination vermeiden!) ++
  Phenytoin Spiegel von B +
  Proteaseinhibitoren
(Amprenavir, Indinavir, Nelfinavir, Ritonavir)
Spiegel von B, Spiegel von A ++
  Sulfonylharnstoffe (Antidiabetika) Spiegel von B (Wirkung abgeschwächt) +
  Tacrolimus Spiegel von B ++
  Theophyllin Spiegel von B +
+ = wahrscheinlich klinisch relevant; ++ = sicher klinisch relevant

* Die Angaben für Rifampicin gelten in ähnlicher Weise auch für das verwandte Rifamycin-Antibiotikum Rifabutin (MYCOBUTIN).

Die angegebenen Interaktionsmöglichkeiten stellen nur eine begrenzte Auswahl der bekannten Interaktionen dar. Darüberhinaus sind Einflüsse der Rifamycine auf die Pharmakokinetik zahlreicher anderer Wirkstoffe bekannt.

Modifiziert nach "The Sanford Guide to Antimicrobial Therapy" (2000), 30th Edition. Gilbert DN, Moellering Jr RC, Sande MA, eds.
Antimicrobial Therapy, Inc., Vienna, VA, USA


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