Informationen für Ärzte und Apotheker zur rationalen Infektionstherapie

Chinolone: Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln
können über verschiedene Mechanismen verursacht werden

(aus ZCT 2000;21:47, letzte Überarbeitung: 18.10.2008)

 
Fluorchinolone werden immer häufiger zur antibakteriellen Therapie eingesetzt. Dies steht unter anderem im Zusammenhang mit der Ausweitung der Indikationen auf Infektionen der Atemwege, die für Pneumokokken-wirksame Chinolone, wie Moxifloxacin (AVALOX) und Levofloxacin (TAVANIC), in Betracht kommen. Allen Chinolonen gemeinsam ist die Eigenschaft, mit mehrwertigen Kationen, wie Magnesium, Kalzium, Eisen oder Zink, stabile Chelatkomplexe zu bilden, wodurch die gastrointestinale Resorption zum Teil drastisch beeinflusst wird. Obwohl gewisse Unterschiede bestehen, sollte keines dieser Präparate zusammen mit mineralischen Antazida [z.B. MAALOX®) eingenommen werden. Diese Präparate sind weitverbreitet und es ist daher bei jeder Verschreibung durch den Arzt oder bei Abgabe solcher Präparate in der Apotheke erforderlich, den Patienten auf die möglichen Wechselwirkungen hinzuweisen. 

Einige der älteren Chinolone besitzen deutliche Hemmwirkungen auf wichtige Arzneimittel-metabolisierende Enzyme – die sogenannten Cytochrom-P450-abhängigen Monooxygenasen. Hier ist es besonders das Enzym CYP 1A2, das zum Beispiel durch Enoxacin (ENOXOR) so stark gehemmt wird, dass eine deutliche Hemmung des Theophyllin (EUPHYLLIN u.a.)-Metabolismus resultiert, wenn beide Medikamente zusammen verabreicht werden. Da aus dieser Wechselwirkung in hohem Maße toxische Wirkungen durch erhöhte Theophyllin-Spiegel resultieren, sollte Enoxacin, das keine erkennbaren Vorteile gegenüber anderen Chinolonen besitzt, heute nicht mehr verwendet werden. Auch mit Norfloxacin und Ciprofloxacin wurden, wenn auch in geringerem Ausmaß, inhibierende Wirkungen auf die hepatischen Monooxygenasen mit entsprechenden Konsequenzen beschrieben. 

Darüber hinaus sind Interaktionen mit der renalen Elimination einiger Chinolone bei gleichzeitiger Gabe von Probenecid (PROBENECID) möglich. Bemerkenswert ist schließlich das Potential für Interaktionen mit Digoxin (LANICOR u.a.), das bei einigen Chinolonen wie z. B. Moxifloxacin (AVALOX) nachgewiesen wurde. Diese Interaktion zeichnet sich durch eine ausgeprägte interindividuelle Variabilität aus und es ist unklar, über welchen Mechanismus sie zustande kommt. Möglichweise ist ein Einfluss auf P-Glykoprotein entscheidend, das an Resorptionsvorgängen beteiligt ist. Obwohl diese Interaktion gelegentlich als "klinisch nicht relevant" eingeordnet wird, bestehen angesichts der geringen therapeutischen Breite der Digitalisglykoside und in Anbetracht der hohen individuellen Variabilität durchaus Bedenken. 

Die unten stehende Tabelle gibt einen Überblick über mögliche Interaktionen. 


Interaktionen zwischen häufig verordneten Chinolonen und anderen Medikamenten
Chinolon (A)*       Andere Arzneimittel (B) Interaktion bzw. Wirkung Klinische Bedeutung
Nor Cip Levo Moxi      
++ ++ ++ ++ Antacida, Sucralfat Absorption von A ++
? ? + + Antiarrhythmika QT-Interval (Torsades) ++
+ + + ?
Cyclosporin Spiegel von B  
++ ++ ++ ++ Didanosin ** Absorption von A ++
? ? ? + Digoxin Absorption von B  
++ ++ ++ ++ Eisenhaltige Präparate Absorption von A ++
+ + - ?
Koffein Spiegel von B +
? + - - Phenytoin oder Spiegel von B +
+ + + - Probenecid renale Clearance von A  
+ + - - Theophyllin Spiegel von B +
+ + + ? Warfarin Prothrombinzeit +

            * Gruppe I: Norfloxacin (BARAZAN); Gruppe II: Ciprofloxacin (CIPROBAY),
              Gruppe III: Levofloxacin (TAVANIC); Gruppe IV: Moxifloxacin (AVALOX), Gatifloxacin (BONOQ).

            **Didanosin enthält Magnesium- und Kalziumsalze

 

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