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September / Oktober 2008 Influenza:
Anstieg der Resistenz gegen Oseltamivir Die
Verfügbarkeit der Neuraminidase-Inhibitoren Oseltamivir (TAMIFLU)
und Zanamivir
(RELENZA) stellt eine therapeutische Option und damit wichtige
Ergänzung zur jährlich
empfohlenen Grippeimpfung dar. Untersuchungen der US-amerikanischen
Gesundheitsbehörde CDC zeigen jedoch, dass Oseltamivir-resistente
Influenzaviren in der vergangenen Saison wesentlich häufiger
isoliert wurden
als in den Jahren zuvor. Diese neuen Daten machen weiter deutlich, dass
die
Impfprophylaxe einen unverändert hohen Stellenwert besitzt. Zur
Untersuchung der Empfindlichkeit von Influenzaviren wurde ein
Chemolumineszenztest eingesetzt, mit dem die Aktivität der
Neuraminidase
festgestellt werden kann. Weltweit wurden im Rahmen dieser Untersuchung
4.570
Proben von Influenzaviren zwischen Oktober 2004 und März 2008
isoliert. Die
Influenza A (H3N2) Viren erwiesen sich im Vergleich mit den Influenza
A(H1N1)
Viren als sensibler: die Konzentrationen von Oseltamivir, die eine
Hemmung der
Neuraminidaseaktivität um 50% herbei führten (IC50-Werte)
lagen im Mittel bei
0,44 nM (H3N2) und 0,91 nM (H1N1). Die Reihenfolge war für
Zanamivir umgekehrt
(2,54 und 1,06 nM). Die entsprechenden Werte für Influenza
B-Stämme lagen bei
3,42 und 3,87 nM. Als potenziell resistent wurden die Viren eingestuft,
wenn
die Werte in diesem Enzymhemmungstest Ausreißer darstellten, d.
h. wenn sie 3
Standardabweichungen oberhalb des Mittelwertes lagen. Die
Aminosäuresequenz der
betreffenden Neuraminidase wurde bestimmt. Während der Saison 2004
/ 2005
wurden keine resistenten Viren identifiziert, in den beiden Folgejahren
lag die
Resistenzrate bei 0,4% und 0,6%. In den USA wurden in den beiden ersten
Zeiträumen keine Oseltamivir-resistenten Viren gefunden, in der
Saison
2006/2007 jedoch 0,9%. Besorgnis
erregend sind die bis zum März 2008 erhobenen Daten zur
Oseltamivirresistenz der
letzten Saison: 57 der 896 weltweit isolierten Influenza A (H1N1) Viren
wiesen
sehr hohe IC50-Werte von 85,08 bis 255,83 nM auf, die als „extreme
Ausreißer“
definiert wurden. Die Analyse der Neuraminidase zeigte in Position 274
des
Proteins einen Austausch von Histidin gegen Tyrosin (H274Y) bei allen
Isolaten.
Bei einer Betrachtung der in den USA isolierten H1N1-Viren, errechnet
sich eine
Oseltamivir-Resistenz von 8,6% (50 von 579 Isolaten), wobei darauf
hingewiesen
werden muss, dass diese letzte Saison noch nicht abschließend
bewertet werden
kann, weil die Untersuchung des Materials zum Zeitpunkt der Auswertung
noch
nicht abgeschlossen war. Die in der vergangenen Saison isolierten
Oseltamivir-resistenten Viren waren empfindlich gegenüber
Zanamivir und
Amantadin (diverse Warenzeichen). FOLGERUNG
DER AUTOREN: Während in den ersten Jahren nach der Einführung
der Neuraminidase-Inhibitoren
praktisch keine resistenten Influenzaviren beobachtet wurden, konnten
in der
letzten Saison vermehrt Isolate nachgewiesen werden, die gegen
Oseltaminir
(TAMIFLU) resistent waren. Es ist zwingend notwendig, die weitere
Entwicklung
genau zu beobachten, um die Therapieempfehlungen gegebenenfalls
anzupassen. SHEU, T.G. et al. |