Listeria spp.
Listeria
Spezies
Taxonomie,
Morphologie
und
Kultur
Listerien
sind
grampositive,
bei Temperaturen <20°C
bewegliche Stäbchenbakterien. Wichtigster menschenpathogener
Vertreterist L.monocytogenes,
selten
werden
bei menschlichen Infektionen L.seeligeri,
L.ivanovii, L.welshimeri
und L.innocua nachgewiesen. Von L.monocytogenes
sind 13 Serovare auf der
Basis von O- und H-Antigenen bekannt, häufig sind die Serovare
1/2a, 1/2b und
4b. Das Wachstum der Erreger erfolgt innerhalb eines breiten
Temperaturbereichs
von -0,4°C bis +45°C, hierdurch entsteht ein Selektionsvorteil
bei Lagerung von
Lebensmitteln im Kühlschrank.
Epidemiologie
L.monocytogenes kommt
weltweit bei vielen Tierarten, auch bei Haustieren vor. Die Keime
werden in die Umwelt ausgeschieden und können dort lange
überleben. Wichtigste
Infektionsquellen für den Menschen sind
Nahrungsmittel wie Milch und
Milchprodukte (bes. Weichkäse), Fleisch und Wurst sowie rohes
Gemüse (z.B.
Krautsalat).1 Listeriosen werden beim Menschen sporadisch
diagnostiziert, doch immer wieder kommt es zu örtlichen und
zeitlichen
Häufungen von Infektionen, meist als Folge des Verzehrs
kontaminierter
Lebensmittel (Käse, z.B. Harzer Roller und andere Milchprodukte,
Fleisch). Durch
die Eigenschaft, intrazellulär zu persistieren, ist es bei einer
hohen
Ausgangszahl von Erregern in der Rohmilch möglich, dass ein
kleiner Teil die
Pasteurisation
überlebt. Durch die anschließende Lagerung bei 4°C
ergibt sich ein
relativer Selektionsvorteil der Listerien gegenüber anderen
Keimen. Eine Ausscheidung
von L.monocytogenes ist im Stuhl, Urin
oder Lochialsekret möglich, der Nachweis gelingt auch auf der Haut
und auf
Schleimhäuten, daher besteht die Möglichkeit einer
Übertragung auf andere
Personen. Nach IfSG wurden 2008 insgesamt 307 Fälle gemeldet – das
waren
weniger als in den Jahren zuvor, in denen ein Anstieg zu verzeichnen
war.
Pathogenese,
Krankheitsbild
Listerien
sind
intrazellulär
gelagert, eine Vermehrung
erfolgt auch in Parenchymzellen (z.B. in Leber- und Nervenzellen). Die
wichtigsten
Virulenzfaktoren sind Listeriolysin O und Phospholipase C, die ein
intrazelluläres Wachstum sowie eine intrazelluläre
Ausbreitung ermöglichen. Die
Aufnahme der Erreger erfolgt über den Gastrointestinaltrakt.
Besonders
gefährdet durch Listerien sind immunsupprimierte Patienten
(Malignome, Steroidtherapie,
Leukosen, T-Zell-Defekte, Alkoholkrankheit, Leberzirrhose), Personen in
höherem
Lebensalter (>65 Jahre), Schwangere und Neugeborene. Die Erreger
besitzen
offensichtlich eine Affinität zur Plazenta bzw. zu den Meningen.
Erkrankungen
treten
etwa
ein bis sieben Tage nach
Erregeraufnahme (Spanne 3 bis 70 Tage) auf. Die
Angaben zur Letalität schwanken zwischen etwa 9% und 28%.
Infektionen
durch
L.monocytogenes
außerhalb einer Schwangerschaft sind in Deutschland Meningitis, Meningoenzephalitis und
Rhombenzephalitis mit
ataktischen Bewegungen (32%), Fieber (31%), Septikämie (26%),
lokalisierte
Infektionen anderer Organe (9%), Abszesse (4%), Endokarditis (3%) sowie
Gelenkinfektion (1%).2 Bei Schwangeren sind die
häufigsten
klinischen Symptome Frühgeburt (33%), Fieber (31%),
„Grippegefühl“ (16%) sowie
Fehl- oder Totgeburt (13%). Der Verlauf bei Neugeborenen in den ersten
fünf
Lebenstagen erfolgt als Granulomatosis infantiseptica
(Frühinfektion
transplazentar); nach dem 5. Lebenstag (Spätinfektion unter der
Geburt,
postnatal) verläuft die Infektion als Meningitis, Enzephalitis
oder in Form
einer Hepatosplenomegalie.
Bei
nicht-immunsupprimierten Personen kann eine hohe
Bakterienzahl in Lebensmitteln zu einer nicht-invasiven Form der
Listeriose
führen, welche sich uncharakteristisch mit grippeähnlichen
Symptomen äußert
(Angina, Kopfschmerz) oder als fieberhafte Gastroenteritis
verläuft.3,4
Die Inkubationszeit beträgt etwa 24 Stunden (18-28h).
Diagnostik
L.monocytogenes kann
in mikrobiologischen Proben von Liquor, Blut, Fruchtwasser,
Lochialsekret,
Stuhl, Vaginalabstrichen sowie im Mekonium von Neugeborenen
nachgewiesen
werden, spezielle Medien sind außer bei Stuhl nicht notwendig.
Dennoch
empfiehlt es sich, bei entsprechend disponierten Patienten den
Mikrobiologen
auf die Möglichkeit einer Listeriose hinzuweisen.
Therapie,
Prävention,
Meldepflicht
Die
klassische
Therapie
einer
Listeriose ist die Kombination von Ampicillin (AMPICILLIN
RATIOPHARM
u.a.) plus Gentamicin (REFOBACIN
u.a.). Alternativen sind
Cotrimoxazol (COTRIM-RATIOPHARM u.a.) oder Vancomycin (VANCOMYCIN
LEDERLE u.a.).
In schweren Fällen wird eine Kombination mit Rifampicin (EREMFAT
u.a.) empfohlen;
bei Hirnabszessen auch Linezolid (ZYVOXID) plus Rifampicin.5
Die Therapiedauer
ohne ZNS-Beteiligung beträgt mindestens zwei Wochen, mit
ZNS-Beteiligung drei
Wochen. CAVE: Listerien sind gegen Cephalosporine resistent, daher bei
Meningitis/Enzephalitis mit unbekanntem Erreger und Risiko für
eine Listeriose in
der kalkulierten Therapie eine Kombination aus z.B. Ceftriaxon
(ROCEPHIN u.a.) plus
Ampicillin verabreichen.
Eine
Expositionsprophylaxe
sollte
besonders
beim Umgang mit Lebensmitteln erfolgen, ähnlich
wie bei Salmonellose;
wichtig vor allem bei Immunsupprimierten und Schwangeren: Fisch- und
Fleischgerichte gründlich durchbraten, kein Verzehr von Rohmilch
oder
Rohmilchprodukten, Weichkäse, Rohkostsalaten, Räucherfisch. Im geburtshilflichen Bereich ist auf
Isolation und die Durchführung von Desinfektionsmaßnahmen zu
achten! Meldepflicht
für den direkten Nachweis aus Blut, Liquor oder anderen
normalerweise sterilen Materialien
sowie aus Abstrichen von Neugeborenen.
1.
N.N.
Listeriose.
RKI-Ratgeber Infektionskrankheiten (März
2003)
2.
KOCH,
J. und STARK, K. Euro Surveill 2006; 11: 85 - 88
3. MIETTINEN,
M.K.
et
al. J Clin Microbiol
1999; 37: 2358 - 2360
4.
AURELI, P. et al. N Engl J Med 2000; 342: 1236 - 1241
5.
LORBER,
B. et al. Clin Infect Dis 2005; 41: 419
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