Brucella
Spezies
Taxonomie,
Morphologie
und
Kultur
Brucellen
sind
gramnegative,
unbewegliche kokkoide
Stäbchenbakterien; das Wachstum erfolgt
aerob
und
mikroaerophil
auf komplexen Nährmedien. Sie können bei
normalen
Temperaturen in der Umwelt oder in Milch bzw. Milchprodukten Tage bis
Wochen
überleben. Als menschenpathogen gelten die Spezies B.
melitensis (Maltafieber), B.abortus
(Morbus Bang), sowie in seltenen Fällen B.
suis und B. canis.
Epidemiologie
Brucellen
kommen
weltweit
hauptsächlich bei Rindern,
Schweinen, Ziegen, Schafen und Hunden vor; in Deutschland sind die
Erreger durch
konsequente Kontrolle der Tierbestände selten, die Bundesrepublik
gilt als
amtlich frei von B. melitensis und B.
abortus. Häufig sind sie dagegen in
Ost- und Südeuropa (bes. Türkei); gelegentlich erfolgt die
Einschleppung der
Erreger durch unkontrollierte Tiere.1 Bei den 2007 in
Deutschland
gemeldeten Fällen wurden drei (16%) der Betroffenen in Deutschland
infiziert, zehn
(53%) in der Türkei, der Rest in unterschiedlichen Ländern.
Im Jahr 2008 wurden
nach IfSG 24 Fälle gemeldet. Infektionen entstehen
überwiegend durch
Tierkontakt (Geburt) oder tierische Produkte, aber auch über
Inhalation von
infizierten Partikeln (Zoonose). Daher sind Schäfer, Schafscherer,
Tierhalter,
Metzger und Veterinärmediziner besonders gefährdet. Durch den
Genuss von
Nahrungsmitteln, wie Rohmilchprodukte (z.B. Schafs- und Ziegenrolle)
sowie
Leber oder Milz, ist eine Infektion ebenfalls möglich. Seltener
sind Übertragungen
durch Geschlechtsverkehr und Stillen sowie Knochenmarktransplantation
und
Blutkonserve.
Eine
berufliche Exposition besteht in mikrobiologischen
Laboratorien. Familiäre Ausbrüche (direkte oder indirekte
Übertragung) sind
möglich.1
Pathogenese,
Krankheitsbild
Die
Erreger werden in Makrophagen aufgenommen und in die
regionalen Lymphknoten transportiert, von dort erfolgt dann die
Ausbreitung in
den gesamten Organismus. Viele Infektionen verlaufen asymptomatisch;
die
Krankheitserscheinungen bei Manifestation (B.
abortus, B. melitensis) sind nach einer Inkubationszeit von 5 bis
60 Tagen
anfänglich in vielen Fällen uncharakteristisch und für
beide Erreger identisch.2
Gelegentlich findet sich eine Lymphadenopathie oder eine palpable Leber
und/oder Milz, im späteren Krankheitsverlauf kann Fieber mit einer
gewissen
Periodizität (Febris undulans) auftreten sowie Sepsis,
Nachtschweiß,
Gelenkschmerzen und asymmetrische Gelenkschwellungen (Arthritis),
daneben Hepatosplenomegalie (selten auch mit Milzinfarkt), venöse
und
arterielle Thrombosen,
Epididymitis und Orchitis sowie „kalte“ Abszesse,
besonders vertebral (Osteomyelitis) und paravertebral
(DD
Yersiniose bzw. Tuberkulose). Im
Knochenmark sind Granulome nachweisbar; Anämie, Leukopenie,
Thrombopenie
wahrscheinlich als Folge einer Hämophagozytose (bes. bei
Infektionen durch B. melitensis). Wichtig ist auch, an
die
Möglichkeit einer Endokarditis durch Brucellen zu denken (meist
Aortenklappe);
viele der Patienten haben vorbestehende Klappenschäden. Der
Verlauf ist subakut
mit Herzversagen und tödlichem Ausgang. Ein sofortiger
Klappenersatz ist
notwendig. In seltenen Fällen erfolgt die Manifestation auch als
Myokarditis. Es
existieren chronische Verlaufsformen der Brucellose (> 1 Jahr), die
sich
auch in Form einer Neurobrucellose (bes. durch B. melitensis,
gelegentlich B.
abortus und selten B. suis)3
mit Beteiligung des ZNS (Meningoenzephalitis,
Meningomyelitis, Visusverlust) und der peripheren Nerven manifestieren
können. Die
Letalität ist insgesamt mit 2% niedrig, bei Patienten mit
Endokarditis aber
hoch! In besonderen epidemiologischen Situationen muss auch an den
Einsatz von
Brucellen als Biowaffe in Form eines Aerosols gedacht werden.
Bei
Tieren ist die Infektion eine der wichtigsten
Abortursachen; auch beim Menschen kann es in der Schwangerschaft zu
Aborten
kommen.
Diagnostik
Berufs-,
Reise-
und
Nahrungsmittelanamnese! Der kulturelle
Nachweis erfolgt mit verlängerter Bebrütungszeit in Blut,
Abszessmaterial (z.B.
Knochen), Knochenmark, Gewebe, Urin (bes. B.
melitensis) und Liquor. Beim Antikörpernachweis (gepaarte
Seren im Abstand
von zwei bis vier Wochen) wird die ELISA-Methode bevorzugt und mittels
Komplementbindungsreaktion bestätigt, wobei Kreuzreaktionen mit
zahlreichen
Erregern zu beachten sind. Von einigen Laboratorien wird auch ein
PCR-Nachweis angeboten.4
Therapie,
Prävention,
Meldepflicht
Die
primäre Therapie besteht in der Gabe von Doxycyclin
(DOXYCYCLIN-RATIOPHARM
u.a.) ± Rifampicin (EREMFAT u.a.) für sechs Wochen plus
Gentamicin (REFOBACIN
u.a.) für zwei Wochen.5 Bei Endokarditis wird
zusätzlich ein früher
Klappenersatz empfohlen.
Vorsicht
ist
bei
Verzehr von Molkereiprodukten aus
unpasteurisierter Milch geboten. Eine berufliche Exposition (auch in
Laboratorien) ist zu beachten! Frauen mit Brucellose sollten nicht
stillen, da eine
Übertragung auf den Säugling möglich ist
(intrazelluläre Lagerung der Erreger);
als infektiös anzusehen sind bei erkrankten Personen Blut, Urin,
Sperma,
Fruchtwasser, Nachgeburt und Lochialsekret. Eine Isolation der
Erkrankten bei
Beachtung der Standardhygiene ist nicht notwendig. Personen, die an
einer
Brucellose erkrankt sind oder waren, sind von einer Blutspende
ausgeschlossen.
Meldepflicht besteht bei direktem und indirektem Erregernachweis.
1.
HEIZMANN,
W.
et
al.
J Hyg (Lond). 1985; 95: 639 - 653
2.
DOKUZOGUZ,
B.
et
al.
J
Infect 2005; 50: 41 - 45
3.
WALLACH,
J.C.
et
al.
Eur
J
Clin
Microbiol Infect Dis 2002; 21: 760 –
762
4.
CASTANO, M.J., SOLERA J.
J
Clin Microbiol 2009; 47: 2084 - 2089
5.
SKALSKY,
K.
et
al.
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